Denkmalwürdige Digitalisierung.

In der Vergangenheit haben wir hier ja schon hin und wieder etwas über Gaussian Splatting, 3D-Scans und interessante Projekte berichtet. Eines unserer derzeitigen Projekte beschäftigt sich mit der Restaurierung und Wiederinstandsetzung einer Treppe in Mittenwalde.

Diese Treppe bildet den Eingang zum heutigen Rathaus von Mittenwalde, dem Paul-Gerhardt-Haus. Das Gebäude wurde anlässlich des 300. Geburtstags des berühmten Kirchenlieddichters Paul Gerhardt errichtet. Der Grundstein wurde am 12. März 1907 gelegt, ab 1908 diente das Gebäude als Kreiskrankenhaus. Fast ein ganzes Jahrhundert später, im Jahr 1992, wurde der Krankenhausbetrieb eingestellt. Heute befindet sich dort der Sitz der Stadtverwaltung Mittenwalde.

Kurz vor dem 120-jährigen Jubiläum des Gebäudes zeigen sich jedoch erste Alterserscheinungen. Die originale Sandsteintreppe im Eingangsbereich besitzt nicht mehr ihre volle Tragfähigkeit. Derzeit wird sie von vier äußeren Pfeilern gestützt und darf maximal von zehn Personen gleichzeitig betreten werden.

Da es sich beim Paul-Gerhardt-Haus um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt und der Denkmalschutz entsprechend in das Projekt involviert ist, soll die Treppe so erneuert werden, dass ihr ursprüngliches Erscheinungsbild und der historische Eindruck möglichst vollständig erhalten bleiben.

Genau hier entsteht allerdings ein Problem: Einzelne Fotos geben immer nur einzelne Ansichten wieder. Deshalb wurden wir damit beauftragt, eine digitale Präservierung der Treppe zu erstellen.

Ähnlich wie wir es bereits im vergangenen Jahr bei der Lok umgesetzt haben, ging es darum, quasi einen digitalen Zwilling des Bestands zu erstellen.

Für den eigentlichen 3D-Scan kam unser Artec Leo zum Einsatz. Ergänzend haben wir die fotografische Dokumentation mit zwei Sony α7 III und einer DJI Osmo Pocket mit Gimbal (1. Generation) durchgeführt.

Insgesamt wurden über 2.200 Bilder aufgenommen und rund 280 GB an Scannerdaten erzeugt, um jeden einzelnen Stein möglichst passgenau und detailliert zu erfassen.

Und das Resultat kann sich sehen lassen – wortwörtlich. Der erstellte Gaussian Splat kann mit praktisch jedem Endgerät aus den unterschiedlichsten Positionen und Blickrichtungen betrachtet werden. So entsteht nicht nur eine Momentaufnahme, sondern eine detaillierte digitale Dokumentation des aktuellen Zustands.

Natürlich beschreibt diese digitale Repräsentation zunächst nur den Ist-Zustand der Treppe. Aber wieder einmal zeigt sich, wie moderne Technologie ein Stück Geschichte einfangen und die klassische Denkmalpflege um eine digitale Ebene erweitern kann.

Der nächste Schritt steht bereits bevor: Im September 2026 findet ein gemeinsames Meeting mit den Projektbeteiligten und dem Denkmalschutz statt, bei dem auch die Übergabe der digitalen Dokumentation erfolgt.

Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse – und darauf, wie diese digitale Dokumentation am Ende dazu beitragen kann, ein Stück Mittenwalder Geschichte für die Zukunft zu bewahren.